Das Eichelschwein

 

Tradition, Lebenshaltung, Landschaftsform, Qualität und die Seele der Schweine...

 


In Deutschland werden jedes Jahr 80 Millionen Schweine geschlachtet. Tiere, die für die Bevölkerung unsichtbar sind. Das Eichelschwein-Projekt vergleicht zwei extrem unterschiedliche Tierhaltungsformen der Schweinehaltung und hinterfragt die Argrarpolitik.

Die Ästhetik der industriellen Produktion begegnet einem künstlerischen Zeichen, dem Eichelschwein. Im Laufe des Projektes wird es lebendig. Es beschreibt die Vision nachhaltiger Schweinehaltung und den Umgang mit diesen intelligenten Tieren.

 

Nachhaltigkeit verbindet sich mit dem Wort Eichelschwein-Schinken - in Spanien und seit einiger Zeit auch in Deutschland.Wie es funktioniert, was es bedeutet und wie er schmeckt, das hat Insa Winkler 2006 zusammen mit Freunden, Galeristen und Protagonisten als Eichelschweingesellschaft ausprobiert:

 

10 Schweine wurden aus einem konventionellen Schweinemastbetrieb gekauft, in Ganderkesee-Schlutter bei Delmenhorst (Niedersachsen) zusammen mit Emmo Poetzsch, Robert Geipel, Heinrich Tabeling und Gerd Kunis auf einer Wiese liebevoll aufgezogen und dokumentiert. Es entstand ein Film über die Lebensart der Tiere und deren Vorbereitung zu einem Rennen im November. Danach wurden die Schweine im Alter von 9 Monaten bei Firma Tonn in Wildeshausen geschlachtet und an die Eichelschweingesellschafter ausgeliefert. Bis dahin wurden ihnen etwa 4 Tonnen Eicheln zugefüttert, die in diesem Herbst großzügig von den vielen Eichen dieser Gegend in der Gemeinde Hude fielen.

 

Doch zwei der mittlerweile erwachsenen Säue leben weiter und streben zusammen mit dem Eichelschweinteam vorerst einer anderen Zukunft entgegen...

Das Projekt ist ein Zeitzeugenwerk unseres 21. Jahrhunderts, im Umbruch der Rückbesinnung auf die Wiege der Kultur und an der Kippe des Kollaps der Globalisierung.

Foto: Jan Zappner,

 

Rat für Nachhaltige Entwicklung, Berlin 2006: "Die Kunst das Morgen zu denken": Insa Winkler und ihr Eichelschwein 2006. 


Ausgangspunkt des Projektes ist das Internationale Künstlersymposium Cultura 21 in der Stadt Großenhain in Zusammenarbeit mit dem Und-Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit.

 

2002 wurden von Heike Strelow, Frankfurt, und Dr. Hildegard Kurt, Berlin, zehn künstlerische Positionen aus Deutschland, der Schweiz und den USA eingeladen, um gemeinsam mit der Stadt Großenhain Projekte zu entwickeln, die den agrarischen Raum Großenhain mit zukunftsorientierten Visionen und Arbeiten in der Landschaft bestücken.

 

Nach Besichtigungen örtlicher Produktionsstätten von Milch, Geflügel, Eiern und Fleisch fand Insa Winkler ihre Idee zum Eichelschwein-Projekt.

 

 

Projektentwicklung

2003 Konzept für das Eichelschwein-Projekt (Internationales Künstlersymposium Cultura 21, Entwicklung des ländlichen Raumes in Sachsen)

2004 Video Porträt "family farming" in der EU / Deutschland, "Künstler treffen Landwirte", slap. e.V.

Insa Winkler bekam die Möglichkeit, den Familienbetrieb Jans-Wenstrup zu porträtieren. Es entstand eine Videodokumentation, das ABC der Schweinehaltung. Die Ergebnisse wurden auf der Argrarmesse LandTageNord in Hude-Wüsting auf einem Messestand präsentiert.

2004 Durchführbarkeitsstudie für Eichelschweinhaltung in Sachsen; Seminar mit StudentInnen der Landwirtschaftsschule Großenhain

2005 Performance zum Sammeln von Eicheln in Oldenburg, Floss Evening, VHDG, Leeuwarden (Niederlande).

2006 Ausstellung in der Galerie Heike Strelow, Projektbüro für Kunst und Kultur, Frankfurt, (Manifest der Eichelschweingesellschaft)

2006 Die Eichelschweingesellschaft

2006 Das Eichelschwein-Rennen, Ganderkesee Schlutter

 

Das Eichelschwein-Kino

 

Die Wahrnehmung gegensätzlicher Lebenszustände von Schweinen durch eine künstlerische und filmische Dramaturgie wird durch das Mobile Eichelschwein Kino als soziale Plastik konzipiert.

 

Die Filmaufnahmen zeigen, wie das lebendige Eichelschwein als artgerecht motiviertes Tier in seiner Entwicklung an dem künstlerischen Happening "Eichelschwein Rennen" mitwirkt.

 

Es blickt zurück auf seine eigentliche Bestimmung als anonym wachsendes Fleisch. Es erzählt vom Alltag der Massentierhaltung, von der Not der Landwirte durch den Preisdruck, den der Verbraucher verursacht und es träumt davon, auch als lebenswertes Tier gewürdigt zu werden.

 

Das “Mobile Eichelschwein Kino” wurde 2007 erstmalig vor dem Umweltmuseum Osnabrück und dem Osnabrücker Zoo aufgebaut. Der Zoo beherbergte währenddessen und auch danach die Hauptdarsteller des Films "Winkler" und "Borsti". Den Verantwortlichen des Osnabrücker Zoos sei an dieser Stelle besonderer Dank ausgesprochen, dass sie die Eichelschweine dort viele Monate als Gast begrüßten.

 

Es waren die Besucher des Zoos, die sich über die Schweine beschwerten, da sie nicht dem Bild entsprächen, welches man von den rosa Schweinchen an die Kinder vermitteln möchte. Viele wissen nicht, dass die Sule der Schweine eine Reinigung bedeutet und dass die Lieblingsbeschäftigung dieser Artgenossen das Wühlen ist. Das Wühlen ist zudem der Hauptgrund für die geschlossene Stallhaltung. In der Tat haben es die beiden Säue geschafft später innerhalb einer Woche 3000 Quadratmeter umzupflügen.

 

Um den Einklang zwischen Landbau und Schweinehaltung zu erleben, sollte man die Hochebenen Rumäniens besuchen, solange es die EU noch zulässt, dass die dort im Einklang mit der Hofkultur gehaltenen Schweine so leben dürfen.